Der Abschluss der dritten Flugphase bildet traditionell der 540km-Auslandsflug mit zwei oder drei Nightstops. Unsere ursprünglich geplante Route sah einmal so aus:
Day 1:Grenchen (LSZG) - Grenoble (LFLS) - Avignon (LFMV) - Cannes (LFMD) - Calvi (LFKC)
Day 2:Calvi (LFKC) - Marseille (LFML) - Perpignan (LFMP) - Sabadell (LELL)
Day 3:Sabadell (LELL) - Reus (LERS) - Valencia (LEVC) - Saragossa (LEZG) - Sabadell (LELL)
Day 4: Sabadell (LELL) - Carcassonne (LFMK) - Clermont-Ferrand (LFLC) - Genf (LSGG) - Grenchen (LSZG)
Dass wir die Reise nicht wie geplant fliegen konnten, mussten wir bereits vor dem Start in Grenchen realisieren. Mein spanisch sprechender Kollege rief sämtliche Flughäfen in Spanien an, um diese zu informieren, dass wir mit 8 Flugzeugen kommen werden und diese auch getankt werden müssen. Dabei sagten die Verantwortlichen aus Saragossa direkt, dass wir bei ihnen nicht willkommen seinen. Unsere Piper Archer wären ihnen zu klein... Nun gut, dann fiel Saragossa aus dem Programm. Was wir als Alternative fliegen sollten, das würde dann spontan und unterwegs entschieden. Dass wir aber die Reise auch sonst nicht wie geplant fliegen sollten, das konnte am Montag noch niemand ahnen...
540km - Day 1Bei herrlichem Wetter, das Flugzeug vollgepackt und mit Maximum Take Off Weight brachen wir auf in Richtung Süden. Via die Transit Route South von Genf und dann querfeldein erreichten wir, vom starken Gegenwind abgesehen, ohne besondere Vorkommnisse unser erstes Etappenziel in Grenoble (LFLS). Ohne besondere Vorkommnisse galt aber nicht für alle Flugzeuge. Eine Crew musste bereits kurz nach dem Start in Grenchen wegen eines elektrischen Fehlers wieder umkehren. Dieser konnte dann aber zum Glück schnell behoben werden, sodass sie uns mit etwas mehr als einer Stunde Verspätung nachfliegen konnten.
Nach Grenoble ging es weiter nach Avignon (LFMV) wo wir erneut den Piloten wechselten und das Flugzeug auftankten. Möglichst schnell wieder in die Luft gehen war die Devise, denn das Thermometer zeigte selbst im Schatten weit über 30 Grad. Und ich muss wohl nicht erwähnen, wie heiss es hinter einer Glasscheibe im Cockpit mitten auf einer geteerten Fläche ist. Der Schweiss floss jedenfalls in Strömen...
Also ging es weiter in Richtung Mittelmeer. Nachdem wir aufgrund eines Waldbrandes und der damit verbundenen Löscharbeiten mit Flugzeugen und Helikoptern etwas gegen Norden ausweichen mussten, sah ich seit langem wieder einmal das Meer. Und dann kam auch schon Cannes (LFMD) in Sicht.

Nach einem erneuten Pilotenwechsel und dem obligaten Auftanken in Cannes ging es dann raus aufs offene Meer. Es ist schon eindrücklich, wenn man rund ums Flugzeug nur blau sieht und man den Horizont zwischen blauem Himmel und blauem Meer fast nicht mehr erkennen kann.

Nach rund einer Stunde Flugzeit übers Meer kam dann aber schon Korsika und damit auch unser letztes Etappenziel für den heutigen Tag in Sicht. Der Anflug auf Calvi (LFKC) führt direkt an der schmucken Altstadt und den vielen Yachten vorbei. Gemäss
Wikipedia hat der Anflug auf Calvi sogar Ähnlichkeit mit dem legendären Anflug auf den ehemaligen Flughafen Kai Tak in Hongkong. Dies gilt aber wohl eher für die mit den grossen Jets als für uns mit dem kleinen Archer...

Gelandet in Calvi bereiteten wir unsere Flugzeuge für den morgigen Flug vor. Allerdings durften wir nur soviel tanken wie absolut nötig, denn es bestand die Gefahr, dass der Fueltruck zuwenig für uns alle hatte. Nachdem dann auch die letzte Crew in Calvi eingetroffen war, wurden wir mit einem Car ins Zentrum der kleinen Stadt gefahren und bezogen unser Hotel. Leider war die Sonne gerade am untergehen, sodass ich auf ein Bad im Meer verzichtete und mich lieber der korsischen Küche widmete...
540km - Day 2Der Fuel hatte doch für alle gereicht, sodass wir ohne Probleme hätten aufbrechen können. Doch von nun an ging nicht mehr viel nach Plan an diesem Tag. Eine wichtige Charaktereigenschaft eines Piloten, die Flexibilität, sollte an diesem Tag noch das eine oder andere Mal auf die Probe gestellt werden.
Während dem Meteobriefing zeigte sich, dass Ausläufer einer Front den Golfe du Lion treffen und somit auch unsere Route beeinträchtigen. Da wir nicht genau wussten, ob die Front auch Marseille (LFML) erreichen könnte und die Bodenzeit dort in der Regel zwei Stunden und mehr beträgt, entschieden die Fluglehrer, erst einmal direkt nach Cannes (LFMD) zurückzufliegen. Bei schönstem Wetter flogen wir also den gleichen Weg übers Meer zurück wie am Tag zuvor.
In Cannes angekommen begann das grosse Warten. Wie soll es nun weitergehen? Direkt nach Perpignan konnten wir nicht, nach Marseille wollten die Fluglehrer nicht und was das Wetter macht, wussten wir auch nicht so recht. Schnell einmal wurden Alternativen geprüft bis dann irgendwann kurz nach Mittag entschieden wurde, direkt nach Montpellier (LFMT) zu fliegen. Sollte sich bis zu unserer Ankunft das Wetter so verschlechtert haben, dann wären wir nur bis Marseille geflogen.
Nach kurzer Flugplanung und Vorbereitung ging es wieder in die Luft. Ich flog zuerst in lediglich 1500 Fuss über Meer der Côte d’Azur entlang. Unglaublich wie viele Yachten und Villen es auf dieser Strecke zu sehen gibt. Kurz vor Marseille musste ich dann sogar auf 600 ft absinken. Im Tiefflug ging es dann weiter über die Camargue wo wir wilde Pferde und Flamingos sehen konnten.
Nach dem Tankstopp im Montpellier wollten wir keine zusätzliche Zeit verlieren und flogen weiter der Küste entlang nach Perpignan (LFMP). Die Wolken am Himmel wurden immer dunkler, aber von der drohenden Front wurden wir verschont. In Perpignan angekommen mussten wir einsehen, dass es bereits zu spät für einen Weiterflug war. Es wäre zu knapp geworden mit acht Flugzeugen vor Sonnenuntergang in Spanien einzutreffen, insbesondere wenn wir einen Alternate hätten anfliegen müssen.

So waren wir nun in Perpignan anstatt in Sabadell. Zum Glück konnte ein Kollege innert kürzester Zeit ein Hotel inklusive Halbpension für uns alle organisieren. Nach einem feinen Abendessen galt es noch den Spanienrundflug vom nächsten Tag vorzubereiten.
540km - Day 3So startete unser Spanienrundflug für den dritten Tag noch in Frankreich. Entlang der Costa Brava näherten wir uns von Nordosten her Barcelona.

Leider ist der Luftraum rund um Barcelona für VFR-Flugzeuge sehr eingeschränkt, sodass wir nicht der Küste entlang oder über die Stadt selbst fliegen konnten. Dafür sahen wir noch die Formel 1 Piste von Barcelona (Circuit de Catalunya). Dabei flogen wir auch schon einmal über Sabadell (LELL), wo wir dann die Nacht verbringen werden. Der erste Stopp des dritten Tages war dann aber erst in Reus (LERS).
Von dort aus flogen wir einmal mehr der Küste entlang in Richtung Süden. Vorbei an den unzähligen Hotelkomplexen der Spanischen Riviera.

Und dann näherten wir uns schon dem Luftraum von Valencia (LEVC). Da wir den grossen internationalen Flughafen von Valencia anflogen und mit acht Flugzeugen doch schon eine grössere Flotte bildeten, konnten wir nur gestaffelt landen. Das bedeutete dann für die letzten Flugzeuge warten, respektive Holdings fliegen. Und da ich in einem der letzten Flugzeuge sass, drehten wir doch die einte oder andere Runde bevor wir in die CTR von Valencia einfliegen durften. Am Boden warteten die anderen schon und mangels Alternativen, musste der Flügel bei enormer Hitze als Schattenspender herhalten.

Irgendwie waren wir aber auf der falschen Seite der Piste um zu tanken. So mussten wir, immer zwei Flugzeuge zusammen, dem Follow-Me-Car hinterher über die Piste rollen. Ein Tankstopp in Valencia dauerte gemäss Erfahrungen der Fluglehrer bis im April noch etwa eine halbe Stunde für VFR-Flugzeuge, doch wir warteten zwei Stunden und mehr bis wir wieder los fliegen konnten.
Weiter ging es nun wieder der Küste entlang über das Ebro-Delta zurück nach Reus, wo wir nur noch die Crew wechselten und dann direkt weiter nach Sabadell flogen. Kurz vor Sabadell erhielten wir eine Wetterwarnung für den Flugplatz. Ein Gewitter drohte über den Platz hinwegzuziehen. Auch wenn die Wolken bedrohlich aussahen, so blieben wir einmal mehr verschont und alle acht Flugzeuge konnten, abgesehen von etwas Turbulenzen, sicher in Sabadell für den letzten Nightstop landen.
Leider war es aber auch jetzt schon wieder sehr spät am Abend. So bezogen wir unser Hotel und suchten noch ein geöffnetes Restaurant, was sich erstaunlicherweise als ziemlich schwierig gestaltete. Kebab und Pizza waren nicht wirklich eine Option und sonst schien alles geschlossen zu sein. Im ersten geöffneten Restaurant bestellten wir einfach mal drauflos, auch wenn eigentlich keiner wirklich wusste, was er jetzt da genau bestellte. Das Essen liess dann aber keine Wünsche offen.
540km - Day 4Unglaublich wie schnell die Zeit verging, da waren wir doch erst in Grenchen losgeflogen und nun mussten wir schon wieder an den Rückflug denken. Da sich das Wetter wieder von seiner besten Seite zeigte, konnten wir direkt über die Pyrenäen zurück nach Frankreich fliegen. Das erste Etappenziel war Carcassonne (LFMK). Der Anflug gestaltete sich besonders interessant, weil wir bis kurz vor der Landung auf mindestens 3700 ft eine Restricted Area der französischen Luftwaffe überfliegen mussten. Als wäre dies nicht schon genug, mussten auch noch viele kleine Wolken umflogen werden. Das resultierte dann in einem Slalomflug mit einer Sinkrate von fast 2000 ft/min anstatt 500 ft/min bis in den Final.
Von Carcassonne ging es dann weiter in Richtung Norden über die schier unendlichen Weiten Frankreichs bis nach Clermont-Ferrand (LFLC).

Im Anflug erhielten wir die Mitteilung vom Turm: "Runway blocked due to tyre explosion of company aircraft!" Wir befürchteten schlimmes, denn ein Reifenplatzer während der Landung verheisst normalerweise nichts Gutes. Da es in Clermont-Ferrand nebst der normalen Betonpiste auch noch eine Graspiste gibt, konnten wir dort landen. Der Reifenplatzen stellte sich dann als nicht wirklich schlimm heraus. Beim Ausrollen nach der Landung ist einem Reifen die Luft entwichen und das Flugzeug konnte die Piste nicht mehr ohne fremde Hilfe verlassen. So musste die Feuerwehr ausrücken und das beschädigte Flugzeug von der Piste schleppen.
Nachdem wir unser Flugzeug wieder aufgetankt hatten und sämtliche Zollformularitäten erledigt waren, starteten wir mit Ziel Genf (LSGG). Die Crew des beschädigten Flugzeuges stellte sich hingegen auf einen weiteren Nightstop ein. Doch irgendwie gelang es einen Mechaniker mit Ersatzreifen aufzutreiben und im Verlauf des frühen Abends konnten auch sie nach Grenchen los fliegen. Wir steuerten währenddessen auf Genf zu als unsere Fluglehrer entschieden, nicht mehr in Genf zwischenzulanden sondern direkt nach Grenchen zurückzufliegen. Naja, so kam ich an diesem Tag nicht mehr zu einem zweiten Flug. Müde, aber um viele Erfahrungen reichen erreichten wir Grenchen. Es war eine wohl einmalige Reise mit unzähligen tollen Eindrücken und Erlebnissen.
Letzer AuslandsflugJeder Flugschüler von uns muss am Ende dieser Flugphase 63:45h geflogen sein. Nun konnten die meisten diese Zeit mit dem 540km-Flug nicht erreichen. Also ging es am Freitag erneut auf eine Reise ins Ausland. Da wir erst gerade vom Süden gekommen waren, flogen wir dieses Mal in Richtung Norden. Saarbrücken (EDDR) und Speyer (EDRY) standen auf dem Flugplan. Ich flog das erste Leg über den Jura, an Basel vorbei nach Karlsruhe. Dort drehte ich nach Westen wo ich mitten im Pfälzerwald einen Segelflugplatz (Bundenthal-Rumbach) suchen musste. Natürlich durfte ich dabei das GPS nicht benutzen sondern musste mich mit zwei VOR-Geräten "begnügen". Doch auch so fand ich den Platz auf Anhieb, sehr zur Enttäuschung meines Fluglehrers, welcher mich wohl gerne etwas herumirren gesehen hätte. :-)
Nach der Landung in Saarbrücken hatten wir die Möglichkeit den Tower zu besichtigen. Leider war zurzeit nicht wirklich etwas los. Es war aber dennoch interessant, denjenigen bei der Arbeit zuzusehen, welche am Funk selbst im grössten Stress die Ruhe behalten und immer freundlich versuchen, auf die Wünsche der Piloten einzugehen.
Während sich die Fluglehrer einen Kaffee gönnten, bereiteten wir uns schon wieder auf den Weiterflug vor. In Speyer mussten wir mit zu viel Seitenwind rechnen, weshalb wir uns entschieden, die Crew in Zweibrücken (EDRZ) das letzte Mal zu wechseln. Da der direkte Weg von Saarbrücken nach Zweibrücken nur wenige Kilometer beträgt, machten wir noch einen Abstecher über die
Ramstein Air Base wo wir eine C-17 Globemaster III beim Start und viele weitere Transportflugzeuge der Amerikaner am Boden begutachten konnten. Der Rückflug nach Grenchen erfolgte dann auf möglichst direktem Weg, da immer mehr Wolken auftauchten. Als dann für die Region von Grenchen sogar eine Wetterwarnung ausgesprochen wurde, wollten wir erst recht keine Zeit mehr verlieren. In Grenchen erwartete uns dann aber "nur" ein böiger Wind. Sonst war der Himmel aber fast wolkenfrei, denn diese hatten sich alle am Jura gestaut.
Letzer FlugTrotz dem Abstecher nach Deutschland vom Freitag fehlte mir am Montag immer noch 1:55h. Also ging es wieder in die Luft und da der Abschlussflug etwas spezielles sein soll, entschied ich mich für Samedan (LSZS). Eigentlich wollte ich eine regelrechte Pässetour (Grimsel, Nufenen, Gotthard, Oberalp, Septimer, Maloja) fliegen, aber das
Militärtraining auf der Axalp und der damit verbundene gesperrte Luftraum schränkten mich da etwas ein. So ging es zuersteinmal über das Napfgebiet in Richtung Luzern. Von dort aus flog ich weiter über den Vierwaldstättersee, Altdorf bis nach Andermatt. Nun konnte meine Pässetour mit dem Oberalp beginnen. Alles entlang dem Vorderrhein ging es weiter nach Chur, von dort weiter über die Lenzerheide bis zum Septimerpass. Wäre ich nun direkt Samedan angeflogen, so hätte ich meine Zeit nicht ganz verfliegen können. Also entschieden wir uns kurzerhand die verschiedenen Gletscher und (Stau-)Seen zwischen Bergell, Puschlav und Engadin zu besichtigen. So konnte ich meine Pässetour noch um den Bernina erweitern. Es war einmal mehr ein unvergesslicher Alpenflug!

Der Rückflug, welcher ich dann als Passagier geniessen konnte, war nicht weniger speziell. Nach dem Start in Samedan überflogen wir als erstes den Albulapass. Von dort ging es querfeldein nach Flims. Dann flogen wir innert kürzester Zeit über Segnas-, Panixer-, Kisten- und Klausenpass. Anschliessend ging es weiter über den Sustenpass, dann am Brünig vorbei auf direktestem Weg zurück nach Grenchen.
Das war also mein letzter Flug im Rahmen meiner erweiterten PPL-Ausbildung. Jetzt geht es dann wieder zurück auf die Schulbank. Aber an dem einen oder anderen Wochenende, wird man mich mit Sicherheit wieder im Cockpit antreffen...