Die Semesterwoche 12 hat begonnen und mit ihr neigt sich auch schon das 5. Semester dem Ende zu. Vor mir liegen also noch knapp drei Wochen Unterricht und der "Studiumsteil" meiner Ausbildung ist für dieses Jahr abgeschlossen. Langeweile wird aber in dieser Zeit mit Sicherheit nicht aufkommen. Dafür sorgen insbesondere die in der letzten Woche anstehenden ATPL-Prüfungen. Nachdem ich im Sommer bereits die ersten vier Fächer erfolgreich abschliessen konnte, wage ich mich nun an die Kapitel
Mass & Balance (031),
Performance (032),
Human Performances & Limitations (040) und
Priciples of Flight (081). Sämtliche Aufgaben in diesen Fächer sind Multiple-Choice-Fragen. Zum Teil genügt dabei "einfaches" Wissen, bei anderen muss etwas ausgerechnet werden oder es gilt gewisse Werte aus Grafiken und Tabellen herauszulesen. Schlussendlich müssen für einen erfolgreichen Abschluss 75% der Aufgaben richtig beantwortet worden sein.
Die Vorbereitung auf diese Prüfungen ist nicht sonderlich kompliziert, aber extrem zeitaufwendig. Da wir den gelernten Stoff an der ZHAW nur bedingt für diese Prüfungen übernehmen können, gilt es erst einmal die Themen in den entsprechenden Nordian-Büchern im Selbststudium nachzulesen und zu vertiefen. Und dann beginnt das grosse "Geklicke"...
Um den Stoff zu verinnerlichen und um möglichst optimal für die Prüfung vorbereitet zu sein klickt sich jeder durch die unzähligen ATPL-Fragen. Immer mit dem Ziel vor Augen, über 75% zu erreichen. Und da es sich bei dem für uns zur Verfügung gestellten Fragekatalog um mehrere tausend Fragen handelt, verbringt man viel Zeit vor dem Computer und klickt Fragen, denn schliesslich ist ein Durchgang für die wenigsten genug. Wenn ich nicht im Unterricht sitze oder bei der SAT mit dem FNPT beschäftigt bin, dann werden Fragen geklickt, und zwar solange bis ich sie nicht mehr sehen kann (oder der eher unwahrscheinliche Fall, überall 100% erreiche)…
Die grösste Abwechslung zu diesem Geklicke ist eindeutig der FNPT. Nach den allgemeinen Navigationsübungen in den ersten 8 Sessions bewegten wir uns in den letzten 4 Sessions vermehrt in Richtung Boden. Approach-Übungen standen auf den Lektionenplan. Zuerst wurde die Rutschbahn der Luftfahrt, sprich ILS, ausgiebig geübt. Dann folgten Non-Precision-Approaches wie LOC-, VOR/DME- oder NDB-Approaches.
Es ist schon erstaunlich mit was für hohen Geschwindigkeiten (bis über 200km/h) und was für Höhen (wenige Meter) unter den schlechtesten Sichtbedingungen (ebenfalls wenige Meter) in der kommerziellen Luftfahrt noch geflogen werden kann. Unser Flugzeug (eine Art Piper Seneca/Seminole-Verschnitt) kann da natürlich nicht mit den grossen Airliner mithalten, aber mit einer Approach-Speed von rund 80kt und einer Entscheidungshöhe von lediglich 200ft sind auch diese Werte immer noch erstaunlich. Ich muss hier aber hinzufügen, dass besonders die Entscheidungshöhe je nach Piste und Approachverfahren sehr stark variieren kann. Ich bin auf jeden Fall jetzt schon gespannt auf die erste vollautomatische Landung in einem Airbus. Ich stelle mir das ziemlich speziell vor, wenn bei null Sicht der Approach inklusive Flare und Aufsetzen vom Autopiloten/Autothrust ausgeführt wird. Bis es aber so weit ist, dauert es noch ein Weilchen...
Als nächstes stehen im FNPT die sogenannten
Abnormal Operation auf dem Stundenplan. Dies sind vor allem Engine Failures/Problems in allen Phasen des Fluges und die damit verbundenen
Flight Procedures One Engine Out (OEI). Bis am Freitag muss ich nun noch die dazugehörigen Checklisten verinnerlichen und auswendig lernen. Das Handling des Flugzeuges benötigt so schon genügend mentale Ressourcen, da will ich mich nicht noch mit dem Nichtwissen der Checklisten und Procedures belasten.
Während wir in den bisherigen Übungen lediglich auf dem imaginären Trainingfield International (ICAO Code: TRFX) geflogen sind, stehen in den letzten beiden Sessions auch erstmals Streckenflüge zwischen Orlando, Melbourne und Vero Beach auf dem Programm. Diese dienen als erste Vorbereitung für die Flugphase in Florida im kommenden Sommer. Auf diese 10 Wochen Flugtraining in den USA freue ich mich jetzt schon ganz besonders...